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Stephan Siegrist, Profi Alpinist

Foto: © visualimpact.ch | Thomas Senf

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Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…

Neuer Film

Cerro Kishtwar
An Ice Clold Story



Wir haben es geschafft! Vielen Dank an Timeline Productions und alle die uns bei diesem Projekt unterstütz haben! Unser neuer Film ist fertig.

CERRO KISHTWAR – AN ICE COLD STORY

Ich konnte die Linie in der Nordwestwand des Cerro Kishtwar nicht vergessen. 1992 verbrachten Andy Perkins und Brendan Murphy 17 Tage in dieser kalten Wand, bevor sie nur 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren mussten.

25 Jahre später machten sich Thomas Huber, Julian Zanker und ich auf um diese Line zu klettern, von der ich so lange geträumt hatte.

Für Anfragen zu Aufführungen und Filmfestival-Einreichungen nehmt gerne Kontakt auf.



Har Har
Mahadev

Erfolgreich am
Cerro Kishtwar

Fotonachweis: Timeline Productions
Am 14. Oktober standen Stephan Siegrist (SUI), Julian Zanker (SUI) und Thomas Huber (GER) am Gipfel des Granitgiganten in Kaschmir. Sie sind das vierte Team, welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.

1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter und wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel.

Im Anschluss wurden die Berge in Kaschmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel war es, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen.

Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand, erreichten sie als zweites Team den Gipfel. 2015 kletterten Hayden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.

Am 7. September startete das Dreierteam um Stephan Siegrist, Thomas Huber und Julian Zanker ihr Abenteuer im Kaschmir Himalaya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnte bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren.

Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in fünf Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchstiegsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und frischer mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer!

Das Wetter war stabil. Morgens wolkenlos, mittags aufziehende Bewölkung, nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spinndrift, extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen. Dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober, wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt.



 

Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und wir können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: “Steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“!

Interview

Stephan Siegrist im Interview mit The Cutting Edge, einem englischsprachigen Podcast der Redaktion des American Alpine Journal:

Webseite: americanalpineclub.org/cutting-edge-podcast

Facts

Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge,“ am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihreM ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach drei Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. Sieben Tage später erreichten sie den Gipfel. Das Team verbrachte insgesamt zehn Tage in der Wand. Sie etablierten vier Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.

Erstdurchsteigung der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. 10. 2017.

Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!“

Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°

Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed

Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.

Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet

Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivets

Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr.4

Portaledge erforderlich

Abstieg: Abseilen über die Route


Jeff Lowes
Metanoia

Thomas Huber, Roger
Schäli & Stephan Siegrist
gelingt die zweite
Begehung

Thomas Huber, Roger Schäli und Stephan Siegrist sichern sich die bislang zweite Begehung der legendären Kletterroute “Metanoia” von Jeff Lowe an der Nordwand des Eiger.

Im Dezember 2016 machten sich Profialpinisten Thomas Huber (GER), Stephan Siegrist (SUI) und Roger Schäli (SUI) auf, um eine der legendärsten Routen der Alpen zu klettern. Huber, von der einzigartigen Geschichte der Linie fasziniert, konnte Siegrist vom Vorhaben, die “Metanoia” zu klettern, sofort begeistern. Auch Schäli war von der Idee schnell überzeugt.
Die drei Profikletterer starteten in der Woche vor Weihnachten ihren ersten Versuch.

Wetterbedingt mussten sie diesen jedoch etwa 70 Meter links vom Zentralband nach ihrem Biwak abbrechen. Ein zweiter Versuch am 28.12.16 musste nach Einbruch eines Sturmes kurz unterbrochen werden. Am 29.12.16 setzten Huber, Siegrist und Schäli ihren zweiten Versuch, die “Metanoia” zu wiederholen, fort. Sie biwakierten wieder etwa 70 Meter links vom Zentralband und setzten am nächsten Tag die Route fort. Am Abend des 30.12.16 erreichen die drei Profisportler den Ausstieg der “Metanoia.” Sie konnten damit die erste Wiederholung der Route sichern.

“Metanoia” wurde 1991 vom amerikanischen Ausnahmebergsteiger Jeff Lowe im Winter im Alleingang in neun Tagen begangen. Lowe ist unter anderem dafür bekannt, 1979 eine Solo-Begehung der Südwand des Ama Dablam geklettert zu haben. Zudem konnte er 1978 den bis dato höchsten Punkt des Latok I erreichen. Dazu gehen über 1000 Erstbegehungen weltweit auf sein Konto. Lowe hat maßgeblich an der Entwicklung der ersten Eisschraube sowie Cams mitgearbeitet und die global gültige Schwierigkeitsskala für Eis- und Mixedrouten erfunden. Er hat die Sportklettermeisterschaften in die USA geholt sowie den berühmten Ouray Ice Park in Colorado, USA, eröffnet.

Als der 1991 persönlich angeschlagene Lowe eine direkte Linie durch die Nordwand des Eigers solo klettern will, möchte er einen Tribut zollen an die Pioniere des extremen Alpinismus, die die größten alpinen Wände mit primitiver Ausrüstung und Technik angingen, ohne Bohrhaken. Lowe sagt dazu: “Daher bin ich auch ohne Bohrhaken geklettert. In der Hoffnung, dass “Metanoia” ein Beispiel dafür wird, was man auch ohne sie schaffen kann.”
Nach neun Tagen kommt Lowe unter widrigsten Bedingungen am Ausstieg an. Er trotze Stürmen und bewies sein Können und sein Durchhaltevermögen. Im Leid geplagten Leben von Jeff Lowe war diese Begehung eine Art Pfad zur Erleuchtung.

Er stieg mit einer völlig neuen Lebenseinstellung aus der Nordwand des Eiger aus. Er nannte seine Route “Metanoia,” was im griechischen etwa “Innere Umkehr, Gewinnung einer neuen Weltsicht” bedeutet. Lowe sagt: ““Metanoia” hat mich mit einem tieferen Verständnis meiner Selbst und wie das Leben abläuft belohnt. Als Ergebnis bin ich mitfühlender geworden und habe eine tiefere Verbindung zu meiner Familie, Freunden, den Kletterern, der Menschheit, dem Planeten und des Universums.” In seiner Route fand Lowe seine heutige Einstellung zum Leben, allen Herausforderungen mit Mut und Freude zu begegnen. Diese hat er bis heute nicht verloren, obwohl Lowe seit ca. 16 Jahren an einer neurodegenerativen Krankheit leidet, die ihn an den Rollstuhl fesselt.



 

Jeff Lowe war über die erste Wiederholung seiner Route erfreut: “Thomas Huber hat mich angerufen und mir gesagt, dass er, Roger Schäli, und Stephan Siegrist die “Metanoia” wiederholt haben. Ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, dass sie die Route schwer, kühn, sehr schön und visionär fanden. Dass sie die Qualität von “Metanoia” bestätigen ist sehr erfreulich und macht mich auch bescheiden. Das Beste ist, dass Thomas versteht, was ich mit der Route zeigen wollte. Ich wollte ein Beispiel schaffen, wie Alpinisten in einer umweltfreundlichen Art und Weise fortschreiten können, die auch den Geist des extremen Alpinismus ehrt.”

Thomas Huber sagt zu Lowe’s Begehung der “Metanoia”: “Er war alleine, konnte sich nur auf sich selbst verlassen und war zuvor noch nie in der Wand gewesen. Nach jeder harten Passage, die hinter mir lag, versetzte ich mich in seine Lage. Sein Kampf lief wie ein Film vor meinen Augen ab: Es ist im Prinzip Wahnsinn, was er damals geleistet hat!” Weiter sagt Huber: “Jeff hatte mit “Metanoia” bewiesen, dass alleine mit dem Herzen unmögliche Herausforderungen gemeistert werden können. Er hat mit seiner Begehung neue Maßstäbe im Alpinismus gesetzt. Diese Metanoia, die neue Sichtweise auf die Welt und die Einstellung auf das Leben, helfen Jeff heute, seiner schweren Erkrankung mit Frohsinn, Mut und Liebe zu begegnen. Diese Haltung inspiriert mich für mein Leben und wir drei, Steff, Roger und ich sind dankbar Metanoia gelebt zu haben.”

Auch Stephan Siegrist ist von der Leistung von Lowe beeindruckt. Er sagt dazu: “Eine solche Tour in einer solchen Wand alleine mit der Ausrüstung von Dazumal! Das geht nur in einer Lebenskrise.” Die “Metanoia” war auch für ihn eine besondere Tour: “Bevor ich mit knapp 20 Jahren die Eigernordwand zum ersten mal durchstieg, hatte Jeff Lowe diese eindrucksvolle Tour bereits vollbracht. Die Spektakuläre Besteigung und die folgenden Medienberichte begleiteten mich mit Ehrfurcht.” Die Route dann selbst zu klettern war für Siegrist besonders: “Nach 37 Besteigungen und drei Erstbesteigungen in der Eigernordwand war die Route “Metanoia” eine Krönung. Für mich persönlich eines der Highlights meiner 37 Besteigungen in der Eigernordwand.”

Roger Schäli fügt hinzu: “Die “Metanoia” war mein größtes Abenteuer mit dem coolsten Team, mit dem ich in der Eiger Nordwand klettern durfte! Die Route hat mich inspiriert, mehr alpine Herausforderungen zu suchen. Mein größter Respekt geht an Jeff Lowe. Die “Metanoia” ist wirklich ganz hart!”

Lowe stieg die “Metanoia” 1991 ohne Bohrhaken durch. Huber, Siegrist und Schäli haben an einem Stand einen 8mm Standbohrhaken gesetzt, da ihnen das Risiko eines Seilschaftabsturzes zu groß war. In einer weiteren Seillänge vor dem Hinterstoisser Quergang haben sie einen bereits gesetzten 10mm Bohrhaken benutzt. Dieser wurde wahrscheinlich bei Dreharbeiten zum Dokumentationsfilm “Metanoia” angebracht.

Fakten

Route: Metanoia, 7, A4, M6
Berg: Eiger Nordwand, Schweiz
Erstbegehung 1991: Jeff Lowe (USA), solo
Erste Wiederholung 2016: Huber, Siegrist, Schäli mit 8mm Bolt und Cliff (Stand), 10mm Bohrhaken (von Filmarbeiten zur “Metanoia” Doku 2013)
Webseite Jeff Lowe: jeffloweclimber.com


Tupendeo

One mountain,
Two stories

Film Trailer



Film Premiere

The Tupendeo film premiere will take place on November 19th at the Kendal Mountain Festival (UK).



Film Description

Leaving a trail is not a uniquely human activity. All animals do, from thin sheep tracks to the chemical trail left by a line of ants. Whether we wish to or not, we leave our mark wherever we go.

As the world’s population increases, and travel becomes easier, we must journey further, or look more closely, to find untrodden ground or an unclimbed peak. We seek the opposite of the trail’s logical purpose: instead of getting from one place to another as simply as possible, we break trail for no other reason than to find somewhere new and to feed our hunger for adventure.

When Stephan Siegrist, Thomas Senf and Dres Abegglen set off towards Tupendeo in 2015, they have no clue that the peak already has its own story to tell. The locals warn them that tragedy had struck many years ago. As the trio climb up the face, they come across an old rope still hanging along with a rappel device, causing many questions to arise. Who left it hanging there? What happened?

They all know far too well how close success and defeat can be on a mountain. Upon reaching the summit, they decide to bring the rappel device back with them and search for traces. They want to know whose story the Tupendeo was hiding.


Leben im
Sturm

Das neue Buch
von Stephan Siegrist

Selbstportrait eines Extrembergsteigers

Man zählt ihn zu den besten Bergsteigern der Welt. Stephan Siegrist, der Profialpinist und Base-Jumper, scheint keine Grenzen zu kennen, keine Herausforderung zu fürchten. Ein Supermann ohne Selbstzweifel? Ein moderner Held der Outdoor-Szene, dessen Weg immer nur nach oben weist?

In diesem ungewöhnlichen, ebenso spannenden wie nachdenklichen Buch setzt sich Stephan Siegrist mit seinem Tun auseinander. Es vermittelt tiefe Einblicke in das abenteuerliche Leben und die starken Gefühle eines Extrembergsteigers, der den Naturgewalten ebenso wie den Banalitäten des Alltags ausgesetzt ist. Und der sich immer wieder fragt: »Was ist im Leben wirklich wichtig?«



Informationen zum Buch

Titel: Leben im Sturm
Autoren: Stephan Siegrist mit Annette Marti
Verlag: Orell Füssli Verlag
Erscheinungsdatum: Ende Oktober 2016

Buch: gebunden, ca. 224 Seiten
ISBN: 978-3-280-05616-5
Sprache: Deutsch
Preis: € 19,95 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90 (CH)

Verlags-Webseite & Online-Bestellung:

ofv.ch


Abenteuer
Kashmir

Erstbesteigung
des Corner Peak

In diesem Jahr war alles etwas anders, nicht nur die politische Lage, auch unsere Expedition verlief harzig. Zuerst wurden wir Bergsteiger vom Wetter zurückgehalten, der Monsun brachte viel länger als üblich Niederschläge und warme Temperaturen bis in hohe Lagen.

Als wir uns am ersten niederschlagsfreien Tag zur Akklimatisation auf den Corner Peak (5700 Meter über Meer) aufmachten, verunfallte ganz in der Nähe unser indischer Kollege Ranjit Jakkli. Beim Aufstieg zum Hochlager stürzte Ranjit und renkte sich den Ellbogen aus. Julian und ich waren zur gleichen Zeit bereits in der Gipfelregion unterwegs und erfuhren erst beim Abstieg ins Basislager vom Unfall. Da wir mehrere Stunden von der nächsten Siedlung entfernt waren, verarzteten wir unseren Kollegen notdürftig und schickten den Koch talabwärts, um Hilfe zu holen. Im nächsten Dorf wurde wieder ein Bote entsendet, der in der grösseren Ortschaft Gulabgarh einen Rettungshelikopter organisieren sollte.

Bis der Helikopter eintraf, verging ein weiterer Tag. Wir hatten zusammen mit dem verletzten Inder bereits den Abstieg in Angriff genommen. Auf dem Landeplatz in Gulabgarh warteten allerdings nicht ein Arzt, sondern Vertreter von Militär und Polizei. In der Region wurden Signale von einem Satellitentelefon abgefangen, man verdächtigte uns Bergsteiger, ein Telefon benutzt zu haben.

Wir konnten mit gutem Gewissen verneinen, die Ursache für den Alarm zu sein, und da auch die Gepäckdurchsuchung kein belastendes Gerät zu Tage gefördert hatte, wurden wir nach zwei Stunden laufen gelassen. Am nächsten Tagen wurden Ranjit, Julian und ich in Kishtwar festgehalten. Offenbar war unterdessen ein schon früher in der Gegend tätiger und – wie ihnen versichert wurde – äusserst erfolgreicher Geheimdienstler eingetroffen. Für den Agenten der indischen Variante der CIA waren wir Ausländer offenbar ein wenig zu schnell weitergereist und hatten sich damit verdächtig gemacht.



 

Im Verhör wurde schnell klar, dass der indische Nachrichtendienst keinen Spass verstand in Bezug auf illegale Kommunikationsmittel und der Agent hätte wohl zu gerne bei seinen Vorgesetzten gepunktet mit der Überführung der Übeltäter. Da das aufgefangene Satelliten-Signal aber nicht von uns Expeditions- Bergsteiger gekommen war und weil uns nichts angehängt werden konnte, durfte wir drei nach erneutem Verhör die Polizeistation wieder verlassen. Zuvor wurden von Julian und mir noch die «Verbrecher-Fotos» gemacht, die später in den Medien auftauchten. Ob die Veröffentlichung der Falschmeldung bewusst oder aus Versehen passierte, ist nicht klar.

Für Julian und mich stand immer fest, dass sie den verletzten Ranjit begleiten würden, bis er sich in ärztlicher Obhut befand. Auch wenn das für uns bedeutete, dass sie unsere Expedition damit vorzeitig abbrechen und auf weitere mögliche Gipfelbesteigungen verzichten mussten.

Erst in Delhi, ein paar Tage später, erfuhren wir von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse und der Falschmeldung in «Kaschmir Life». Auch wenn ich mir die aktuelle Expedition anders vorgestellt hatte und die gelungene Erstbesteigung des Corner Peak fast etwas nebensächlich wurde: höchst abenteuerlich war die Reise. Beinahe ein wenig zu abenteuerlich!


Weltrekord
gelingt am
Kilimanjaro

Höchstgelegene
Highline der Welt

Stephan Siegrist begeht höchstgelegene Highline der Welt

Der Schweizer Profialpinist Stephan Siegrist realisierte in der Gipfelregion des Kilimanjaro einen aussergewöhnlichen Balanceakt. Er überquerte auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen Weltrekord auf.

Sonntag am Kilimanjaro

Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine grosse Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit grossartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so grosser Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

Idee der Highline

Die Idee der Highline entspringt dem Slacklinen, dem Balancieren auf einem schmalen Gurtband, das zwischen zwei Verankerungspunkten fixiert ist. Im Gegensatz zum Hochseil aus Drahtseil, das so straff gespannt ist, dass es sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline und verlangt ein ständiges Ausgleichen. Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem Abgrund zu balancieren.



 

Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern über Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. «Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden», kommentiert er seinen Erfolg. «In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.» Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. «Interessant war auch zu sehen», so Siegrist, «wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.»

Der Nachmittag, an dem alles passte

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine grosse Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Facts zu der Highline am Kilimanjaro:

Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro.
Höhe über Meereshöhe: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016


Alles Gute
für 2016

Und ein kurzer Rückblick
auf 2015.

Das Jahr 2015 ist auch wieder Geschichte. Wieder ein Jahr mit unvergesslichen Höhepunkten. Der grandiose Sommer ermöglichte mir nebst anderen Verpflichtungen viele Führungstouren in den Schweizer Alpen. Auch für die Familie hatte ich im Sommer viel Zeit, ein für mich wichtiger Faktor.

Nach vielen Touren in den Alpen war ich entsprechend gut vorbereitet für unsere Expedition. Zu dritt hatten wir wieder das Privileg unberührte Berge im Kashmir Himalaya zu besteigen. Ästhetisch einzigartige Berge, die eine technische Herausforderung bieten, in abgeschiedener Region gemeinsam mit guten Freunden. Das sind für mich Abenteuer.

Nun wünsche ich Euch allen ganz viel Gesundheit und alles Beste für das 2016. Jedem sein eigenes Abenteuer mit gesunder Heimkehr nach Hause.

Vielen Dank für Eure Unterstützung durch das Jahr !

Many thanks for all the support!
Wishing you & your loved ones a happy, healthy and adventure filled New Year!!



KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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Ein neues Abenteuer beginnt – Vorbereitungen zur Kashmir-Expedition 2015


KASHMIR 2015

In Search of
Forgotten Summits

Ein neues Abenteuer beginnt

Es geht los: von Zürich nach Delhi in Indien. Ziel der Expedition ist wiederum der Kashmir Himalaya im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

Dort hat das Team bei seiner letztjährigen Expedition einen weiteren markanten, technisch anspruchsvollen unbestiegenen Berg entdeckt. Sie haben sich diese Erstbesteigung zum Ziel gesetzt. Stephan ist auch nach mehreren Reisen in die Gegend fasziniert von der noch weitgehend unberührten Bergwelt.

Auch die beiden anderen Mitglieder des letztjährigen Expeditionsteams sind wieder mit dabei: Dres Abegglen und Thomas Senf. Über den Berg gibt es nur wenige Informationen. Deshalb werden sich die drei vor Ort für die beste Route entscheiden müssen. Wahrscheinlich ist der Gipfel aber zwischen 6000 und 6200 Meter hoch und wird aufgrund seiner spitzen Form Spear genannt.

Die Anreise führt von Delhi nach Jammu und weiter nach Kishtwar und über Gulabgarh nach Kaban. Dort beginnt das ein- bis zweitägige Trekking ins Basislager.

Das Expeditionsteam

Stephan Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen, Tobias Hatje (bis Basislager)

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Neue Berge, neue Erfolge – Thomas Senf, Dres Abegglen und Stephan Siegrist gelingen neue Erstbesteigungen.



In Search for Forgotten Summits

When the plane touches down in Delhi the real adventure begins: The heat, familiar smells from past visits, the sounds, colours and faces that all mark the beginning of an expedition to me. Sensory overload – I love it!

I’ve passed through this bustling city so many times – ironically the gateway to one of the most peaceful and preserved landscapes still left on this planet, the Kashmiri Himalayas.

Our last visit to the region got off to an adventurous start after late monsoon rains slammed the area causing the worst flooding seen in years. This year things look dryer for Thomas, Dres and I! Our project, a beautiful spear head shaped peak that caught our eye on our last visit.

Like many other things in this hidden region, the mountain leaves a lot to be discovered. There is very little information available about the peak; not even sure how high it is, but we are guessing between 6000 and 6200 meters above sea level.

The mountain is beautiful and appears to be quite technical, exactly what we are looking for. We’ve brought everything we think we may need and are ready to take advantage of what this hidden gem has to offer!

Tobias Hatje will join our team up to basecamp and from there Thomas, Dres and myself will make our way to to the mountain. Our plan is to be back home in late October with lots of great photos and stories to retell.

Our Expedition Team: Stephan Siegrist, Thomas Senf, Dres Abegglen, Tobias Hatje (to base camp)

Talk to you then…