Foto: © visualimpact.ch | Thomas Senf

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Hochseilakt
auf 4478 m.ü.M.

Stephan Siegrist balanciert
am Gipfel des Matterhorns
über eine Highline

 

Imposant steht es da, das Wahrzeichen der Schweiz: Das Matterhorn. Der Traum zahlreicher Alpinisten. Und oben, ganz zuoberst auf dem Gipfel macht sich ein Bergsteiger dran, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Nur die Hose flattert leise im Wind, sonst ist es still. Stephan Siegrist atmet noch einmal tief durch. Hinter ihm das Gipfelkreuz des berühmten Matterhorns, vor ihm seine eben gespannte Highline, ein schmales Band, befestigt zwischen zwei Felsblöcken, dazwischen gähnende Leere.

Auf allen Seiten fallen die steilen Wände des Matterhorns hunderte von Metern fast senkrecht ab. Bis Zermatt geht es 2870m in die Tiefe. Die Luft ist dünn hier oben auf 4478 m.ü.M. Die Ausgesetztheit auf dem Gipfel kaum zu überbieten. Als wäre das Gefühl an alpinem Ambiente auf diesem Gipfel nicht genug, wagt es Stephan Siegrist, lediglich mit einer dünnen Schlinge gesichert über das schwankende Seil über dem Abgrund zu balancieren.

Was Stephan vorhat, hat vor ihm noch keiner versucht: Auf viereinhalbtausend m.ü.M. auf dem Matterhorn über die Highline zu gehen. Irgendwie scheint hier, zuoberst auf dem Gipfel des berühmten Matterhorns alles etwas klarer, intensiver, deutlicher.


 
Der Wind, der sich ungehindert seinen Weg sucht. Die Luft die so dünn ist, dass sich der Herzschlag bei jeder Bewegung beschleunigt. Die Weite, die Sicht bis weit nach Italien, der scharfe Umriss des Mont Blancs im Hintergrund.

Stephan Siegrist wagt den ersten Schritt über den Abgrund. Das Seil schwankt. Würde er fallen, würde ihn die Schlinge zwar von dem sicheren Tod bewahren, aber angenehm wäre der Sturz nicht. Doch mit unbeirrbarer Sicherheit setzt Stephan einen Fuss vor den anderen – Schritt für Schritt tastet er sich vorsichtig vorwärts. Und erreicht schliesslich erfolgreich das Ende seiner gespannten Highline. Ein Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht.

Das Matterhorn scheint nicht sonderlich beeindruckt von Stephans Leistung, aber wer weiss, ob – wenn man ganz genau hinschaut – in seinem majestätischen Anblick nicht auch ein Anflug von Interesse und leichter Verwunderung über die Spielereien eines Menschenkindes zu finden ist?