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KASHMIR 2015

Erstbesteigungen
im Norden Indiens

Neue Berge, neue Erfolge

Es gibt nicht mehr viele unbestiegene Berge in abgelegenen Gebieten auf diesem Planeten. Sie zu entdecken gehört zur Leidenschaft von uns dreien. Auf der jüngsten Expedition im Norden Indiens konnten Thomas Senf, Dres Abegglen und ich drei Gipfel dieser Traumberge erstbesteigen.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden. Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. Der nach Karte 6.100m ü. M. hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m ü. M.) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen «Spear» (Speer). Aufgrund eines Fotos, unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort. Von ihrem Hauptziel, dem «Spear», wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen. Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne grössere Probleme zu «unserem» Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb. Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ gross. Wir erreichten den Gipfel am 13. September 2015, über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, «perfekter» Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg «Tupendeo» nennen. Im Gegensatz zum «Spear» fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor – Fels von so guter Qualität, bestimmt schönste Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten.



 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des «Tupendeo» (5700m.ü.M). Nach einer Schlechtwetterphase, dass uns während einer Woche im Basislager festhielt, machten wir uns daran, einen weiteren Berg zu erklimmen, den sie erspäht hatten: den «Te» (Kristall). Wir wählten den schwierigeren, aber schöneren Weg über die eigentliche Kristallspitze, seilten von dort ab und erklommen zum Schluss den verwächteten Schneegipfel, den «Maha Dev Phobrang» (Shivas Palast) – laut Karte 6.163m ü. M.; nach unseren Messungen 5.900m ü. M.. Die besten Superlative reichen nicht aus, um die Bedingungen zu beschreiben, die wir an diesem Berg trafen: einfach genial. Begeistert von dieser puren Form des Bergsteigens in einer wilden und umwerfend schönen Region kehrten wir in die Schweiz zurück.

Details

Bhala (Spear) 5900m, NE Face
Route Copa-Kaban
Start: 12/09/2015
Summit: 13/09/2015
Base Camp Return: 14/09/2015
Difficulty: mid-grade alpine climbing, loose rock

Tupendeo 5700m, SE Pillar
Route Deokhal
Start: 18/09/2015
Summit: 19/09/2015
Base Camp Return: 19/09/2015
Difficulty: 6a/b, 21 pitches, 800m
Notes: on some maps marked as Tupendo 1 or Druid

Te (Kristall) 5900m
Route Chaprasi
Start: 01/10/2015
Summit: 02/10/2015
Base Camp Return: 02/10/2015
Difficulty: 5c/6a, 4 pitches, 200m, excellent rock quality
Notes: alpine climbing 60° to main summit

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