Foto: © visualimpact.ch | Thomas Senf

Inhalte der Webseite wieder anzeigen

Queen-Maudland
Antarktis

Erstbegehungen am
Holtanna und Ulvetanna

Aus einem Traum wird Wirklichkeit

Es war einer der schönsten Momente in meiner Bergsteigerkarriere als wir endlich den Fuß auf Queen Maudland setzten. Auch meine Bergsteigerkollegen empfanden dies als emotional überwältigenden Augenblick. Im Jahr 1994 sah ich den Berg Holtanna zum ersten Mal auf einem Foto und war so unglaublich fasziniert, dass der Gedanke daran mich nie mehr losliess. Es sollte aber noch 14 Jahre dauern bis mein Traum Wirklichkeit wurde.

Die Anfänge

Als ich mein erstes Dossier für eine Expedition in Queen-Maudland zusammenstellte, kannte ich die Huber Brüder nur aus diversen Magazinen. Erst als wir unsere erste gemeinsame Expedition im Jahre 2005 durchführten, stellte sich heraus, dass auch Thomas und Alexander seit längerem von einer Expedition auf den weißen Kontinent träumten. Doch wir hatten ein Problem – wie wollten wir dieses Vorhaben finanzieren. Obwohl ich seit längerer Zeit Geld zusammen sparte schien es unmöglich realisierbar.

Möglichkeiten eröffnen sich

Die Idee reifte weiter in unseren Köpfen und verlangte danach umgesetzt zu werden. Dank unserem Bergsteiger Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ eröffneten sich plötzlich für uns neue Möglichkeiten. Mit Hilfe unserer Sponsoren und dem gesparten Geld konnten wir unsere Idee langsam aber sicher umsetzten. Im November 2008 starteten wir endlich in die Antarktis. Wie schon beim Film “Am Limit” wurden wir vom Kameramann Max Reichel aus Bayerisch Gmain begleitet. Er sollte unser Leben und unsere Kletterei an der arktisch kalten Senkrechten hautnah dokumentieren.

Queen Maud Land

Schon kurz nach der Landung fühlten wir uns bereits überglücklich und privilegiert auf norwegischem Territorium, Queen Maudland, in der Antarktis zu stehen. Die Landschaft wirkte auf uns einfach nur unwirklich schön. Ein überraschend unbeständiges Wetter mit Temperaturen von -30° bis -50° bestimmte unser Unternehmen. Immer wieder Stürme, aber auch Temperaturen um -5° und keine Sonnenuntergänge. Extreme Bedingungen an die wir uns erst einmal gewöhnen mussten.

Aber eine 750 Meter hohe, vertikale Granitwand zu bezwingen, wenn möglich sogar in freier Kletterei, ist ein Szenario, das uns extrem motivierte. So wollten wir all unsere zur Verfügung stehende Energie und Leidenschaft in das Projekt stecken. Wie nirgends sonst in der Antarktis ragen im Queen Maud Land einzigartige Türme, Pfeiler und Zähne aus dem Eismeer. Diese Nunataks sind nur die Spitze eines Gebirges, dessen höchste Gipfel das kilometerdicke Inlandeis durchstoßen und so spektakuläre Granitberge ausbilden. Diese stehen wie Raketen in der scheinbar endlosen und weißen Gletscherwüste. Der imposanteste Berg im Queen Maud Land ist ohne jeden Zweifel der 2931 Meter hohe Ulvetanna. Eine perfekte Pyramide, die sich nach allen Seiten hin als ein abweisendes, anspruchsvolles Ziel präsentiert. Nicht umsonst gilt der Ulvetanna als der schwierigste Berg der Antarktis.

Klettern in einer anderen Welt

Neben dem Ulvetanna reizte uns vor allem die noch undurchstiegene Westwand des Holtanna. Ein extremer Bigwall, 750 Meter hoch, mehr als nur senkrecht und noch dazu in der Kälte der Antarktis. Für unsere Reise ins Ungewisse hatten wir uns ein Zeitfenster von sechs Wochen gesetzt. Trotz ausführlicher Recherche und Gesprächen mit Teilnehmern früherer Antarktisexpeditionen wussten wir bis zur ersten Inspektion der Holtanna-Westwand nicht, ob und wie sich unsere Ideen realisieren lassen würden.

Wir kletterten durch die 750 Meter hohe Holtanna-Westwand – doch unsere Freikletterambitionen wurden aufgrund der eisigen Temperaturen zerschlagen. Es war kalt, sehr kalt sogar und vor allem viel härter und schwieriger als gedacht. Doch trotz dieser extremen Bedingungen wurde unsere Erstbegehung durch die Westwand zu einem Juwel in unserer Bergsteigerkarriere. “Eiszeit” – 24 Seillängen und Schwierigkeiten bis 7+ und technisch bis A4.

Die erste freie Besteigung des Holtanna gelang uns eine Woche später über den Nordpfeiler. Wenngleich die Schwierigkeiten sich in einem moderaten Rahmen hielten, die Route “Skywalk 7“ ist an Schönheit nicht zu übertreffen!!! Ein „ Eiger Mittellegigrat“ in der Antarktis.

Anfang Dezember wurde das Wetter leider erst einmal schlechter. Wir mussten uns in Geduld üben und warteten beharrlich auf gutes Wetter. Denn wir hatten noch ein weiteres großes Ziel im Visier – den Ulvetanna. Es ging dem Ende unserer Antarktis-Expedition entgegen, doch wir hatten tatsächlich noch einmal Glück mit der Wetterlage. Wir kletterten in nur zwei Tagen über den Nordwest-Pfeiler auf den Ulvetanna. Die Erstbegehung von “Sound of Silence” 8-/A2 war quasi das Sahnehäubchen und die schönste Expedition in unserer Bergsteigerlaufbahn. „Äußerlich betrachtet haben wir vielleicht unser Ziel, eine schwierige Freikletterei in der Antarktis zu realisieren, nicht hundertprozentig erreicht. Aber bei einer Lufttemperatur von -20° wird ein Siebener zum Neuner und ein Neuner wird unmöglich. Ganz davon abgesehen, dass es die meiste Zeit sogar noch kälter war! Somit haben wir alles versucht und konnten mehr besteigen als geplant. Unser Traum wurde Wirklichkeit und wir können von uns behaupten einfach nur überglücklich zu sein!”

Zur selben Zeit war eine sechsköpfige französische Expedition an den Felstürmen Queen Maud Lands mit uns unterwegs. Thomas Faucheur, Leiter der Groupe Militaire de Haute Montagne mit seinen Kameraden Lionel, Francois, Didier, Dimitri und Sebastian. Sie kletterten eine schwierige Route am Nordpfeiler des Holstind. Ihre Erstbegehung: “Choundens Renard” 650 Meter, A2/A3.

Informationen zur franz. Expedition unter: www.gmhm.terre.defense.gouv.fr
Weitere Informationen auch unter: www.huberbuam.de