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Makalu
Westpfeiler

Faszinierendes Projekt
auf 8485 Metern.

Rückkehr vom Makalu

Ich bin wieder zuhause angekommen. Früher als geplant. Deshalb sind meine Gefühle natürlich im Moment gespalten: einerseits Enttäuschung über den erzwungenen Abbruch und Unsicherheit über die Ursachen die dazu geführt haben aber andererseits überwiegt ganz klar meine Freude, dass ich am Berg für mich den richtigen Entscheid gefällt habe, dass ich wieder gesund nachhause gelangt bin, dass ich meine Lieben früher als erwartet in die Arme schliessen kann.

Wir haben uns ein ambitioniertes Ziel ausgesucht mit dem Westpfeiler des Makalu. Und mit dem Verzicht auf zusätzlichen Sauerstoff und den von uns praktizierten Expeditionsstil mussten wir auch mit einem Scheitern rechnen. Das war uns von Beginn weg klar. Und jetzt bin ich halt beim Punkt, wo das Abenteuer für mich frühzeitig zu Ende ist.

Was mir bleibt ist eine tolle Zeit die ich erleben durfte. Wir waren ein gutes Team, das bestens funktioniert hat und wir hatten eine Menge Spass.

Ausführlicher Bericht

Das Basislager des Makalu erreicht man erst nach einem mehrtägigen Trekking. Nicht zuletzt deshalb hatten wir sicher das Privileg, dass unsere Gruppe auf der geplanten Route komplett alleine unterwegs war. Und auch auf der Normalroute, die wir zur Akklimatisierung benutzten, herrschte kein Gedränge.

Bereits das Basislager auf 5440 Meter über Meer liegt deutlich höher als alle europäischen Gipfel. Deshalb verbringt man den grössten Teil der Zeit beim Höhenbergsteigen mit der Akklimatisierung, der Gewöhnung des Körpers an die Höhe. Denn die grösste objektive Gefahr auf dem Dach der Welt liegt in der Bildung von lebensbedrohenden Lungen- und Gehirnödeme. Aber wir sind alles erfahrene Bergsteiger und deshalb trauen wir uns zu, uns richtig einzuschätzen.

Unsere Strategie ist ziemlich einfach: zuerst schauen wir uns mal den Westgrat an und dann gewöhnen wir uns auf der Normalroute an die Höhe. Anschliessend warten wir auf ein Schönwetterfenster (von denen es oft nur ein oder zwei gibt, bevor der Monsun die Bergsteiger Saison beendet) für unseren Gipfelgang.

Die erste Akklimatisierungs-Runde führt uns zum Fuss des Westpfeilers auf 6000 M.ü.M. 
Bei der zweiten steigen wir ins Camp1 auf der Normalroute (6400 M.ü.M.). Nach zwei Nächten in diesem Lager steigen wir bis auf 6850 Meter und verbringen eine weitere Nacht auf dieser Höhe, in welcher ich erstmals starke Kopfschmerzen verspüre.

Das ist an und für sich nicht ungewöhnlich bei der Akklimatisierung. Beunruhigend ist aber, dass sich die Kopfschmerzen auf eine Kopfhälfte konzentrieren und begleitet werden von Sehproblemen meines rechten Auges. Ich bin aber fest überzeugt, dass sich das wieder geben wird, wenn wir morgen ins Basislager absteigen. Deshalb nehme ich Medikamente zu mir, die mir in der Nacht vorerst Linderung bringen.

Wie erwartet verschwinden die Kopfschmerzen im Basislager und ich bin mir sicher, dass es sich nur um Anfangsschwierigkeiten handelt. Ich bin gut vorbereitet. Die Kondition stimmt. Und auch die Motivation und die Kameradschaft im Team. Es ist ein tolles Gefühl zu spüren dass man bereit ist!

Nach 5 Tagen schlechtem Wetter starten wir zu unserer dritten Akklimatisierungs-Runde. Unser Plan ist, eine Nacht auf 6700 Meter zu verbringen und dann weiter auf den Makalu-La (7350 M.ü.M.) zu steigen um auch dort einmal zu übernachten. David und ich steigen sehr rasch auf und erreichen bereits nach 4 Stunden das Camp auf 6700 Meter.

Dort beginnen wir unsere Zelte aufzubauen bevor das restliche Team ebenfalls eintrifft. Ich fühle mich sehr gut. Es ist erst zwei Uhr mittags als wir uns in die Zelte legen. Nur eine knappe Stunde später beginnen bei mir wieder die gleichen, für diese Höhe aussergewöhnlichen Symptome.

Erst nehme ich noch keine Medikamente zu mir – mit dem Wissen, dass wenn ich mit Chemie starte, der Weiterweg für mich morgen nicht in Frage kommt. Das wäre zu gefährlich, weil ich unter Medikamenten die Symptome eines Hirnödems zu spät zu spüren könnte. Ignoriert man diese Symptome endet ein Hirnödem meistens mit dem Tod.

Die Schmerzen werden so stark, dass ich zu einer doppelten Ration der üblichen Tabletten greifen muss. Bald machen  David und Michi – die beide grosse Erfahrung im Höhenbergsteigen haben – mir klar: “Du musst sofort absteigen“.  In diesem Moment ist es natürlich  für mich nicht ganz einfach, die Aufforderung zu akzeptieren. Auf der anderen Seite will ich mich auch nicht selber in Lebensgefahr bringen. Schliesslich geht es auch nicht nur um mich- ich habe auch eine Familie zu Hause.

Und ich will ja auch nicht meine Kollegen mit mir in Gefahr bringen, wenn wir am Westgrat unterwegs sind. Ich bin mir bewusst: wenn ich jetzt bei der Akklimatisierung in Verzug gerate, werde ich auch später nicht mehr mit dem Rest des Teams mithalten können. Deshalb war der Entscheid, die Expedition hier abzubrechen letztlich doch einfach – weil völlig klar!

David begleitet mich runter ins Camp 1- von dort kann ich alleine weiter absteigen. Auf 5700 Meter empfängt mich bereits Karma, unser Sirdar und trägt meinen Rucksack zurück ins Basecamp.

Was für ein Glück ein solch gutes Team um mich zu haben. Nachdem die Kollegen nach dem Erreichen des Makalu-la wieder zurück ins Basislager kommen müssen wir eine Lagebesprechung machen.

Inzwischen habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht. Bin ich einfach zu schnell aufgestiegen? Nicht gut genug akklimatisiert? Oder hat es gar mit dem Schädelbruch zu tun, den ich vor ein paar Jahren  erlitten habe? Was können die Symptome bedeuten? Und was heisst das für mich in Zukunft? Fragen über Fragen.

In der Zwischenzeit wurde aber mit ziemlicher Sicherheit klar, dass es einen Zusammenhang mit dem Schädelbruch gibt. Ich bin in medizinischer Abklärung.
Aber die wichtigste Antwort liegt bald auf der Hand: für mich ist die Expedition hier zu Ende!

Für David Göttler, Michi Wärthl, Daniel Bartsch und Han Mitterer gehen den Berg nun auf dem Normalweg weiter an. Bei ihnen bedanke ich mich für die tolle Kameradschaft und die fürsorgliche Unterstützung.

Angekommen und eingetaucht in das Chaos, den Lärm und das Treiben dieser wunderbaren Stadt. Ich denke ich mag es hier so gerne, weil es entweder bedeutet, daß ich auf dem Weg zu einem Abenteuer bin oder aber von einem komme und bald wieder daheim sein werde!

Jetzt trifft aber Ersteres zu. Seit gestern sind wir nun komplett, Steph kam von der Schweiz aus über Delhi, wir über Doha und so haben wir am Abend das erste Mal auf unsere kommenden 8 Wochen am Makalu angestoßen. Steph, Hans, Daniel, Michi und ich.
Hier in Kathmandu haben wir im Store die Sachen gepackt, die Aircargo gecheckt und haben das Briefing bei den Behörden gemacht.

Eine Ehre ist es dann noch immer, von Mrs. Hawley persönlich besucht zu werden. Akribisch und mit ihrem trockenem Humor will sie alles über unsere geplante Expedition wissen.

Wie wir zum Basislager kommen, auf welchem Weg, wo wir Lager machen wollen, wie viel und ob wir Fixseile und/oder zusätzlichen Sauerstoff verwenden wollen. Letzteres beantworten wir beides mit “Nein”. Bei den Lagern müssen wir ein wenig flunkern, weil wir die exakten Höhen ja noch nicht wirklich wissen. Am Ende übergebe ich ihr noch einen Schwung Ersatzteile für ihren VW Beetle, ein Traum an Oldtimer.

Jetzt warten wir bis wir dann am 12. von Kathmandu nach Tumlingtar fliegen und dann von dort ins Basislager gehen. Wir werden ca. 10 Tage für das Anmarsch Trekking brauchen, das ja auf tiefen 800m startet und sich dann bis auf über 5000m langsam steigern wird. Wenn wir dann im Basislager angekommen sind und alles eingerichtet haben, melden wir uns wieder!

Gestern Abend sind wir wie geplant im Basislager auf 5420 Meter über Meer angekommen. Nach einem interessanten Trekking erreichten wir am 18. April das sogenannte „Hillary Base Camp“ auf 4835 m.ü.M bereits einen Tag früher als geplant.

Dann aber schneite es die nächste Nacht und auch am folgenden Tag. So ging es dann erst am 21.April weiter. Es brauchte viel Überredungskunst von unserem Sirdar Karma, um die Träger zu motivieren weiter zu gehen. Der Weg war mühsam und führte uns über einen Blockgletscher. Der Neuschnee erschwerte den Marsch. 140 Höhenmeter unter unserem geplanten Basislager warfen die Träger das Handtuch.

Es schneite wieder. So blieb uns nicht anderes übrig als das wichtigste an Material erst mal selber hoch zu schleppen. Oben angekommen verkrochen wir uns nach einem einfachen Nachtessen entsprechend müde in unsere Schlafsäcke. Doch das Basislager, welches wir hier auf einer Moräne erstellt haben, ist ein Traum.

Der heutige Morgen war wunderschön und wir konnten zum ersten Mal mit eigenen Augen den Makalu in seiner voller Grösse und Schönheit bestaunen.

Mächtig dieser Berg… und auch ganz schön Respekt einflössend. Wir sind hier in unserem Lager ganz für uns – und das an einem Achttausender, ein seltenes Privileg!

Wir sind weg von dem ganzem Rummel , denn die Anwärter für die Normalroute haben ihr Basislager noch gute 300 Höhenmeter weiter oben an einem anderen Platz. Heute trugen wir erst das von den Trägern liegen gelassene Material zu unserem Platz hoch, und später stiessen dann doch fünf der Träger mit weiteren Lasten von dem Hillary-Camp zu uns.

Wir richten uns ein hier und gewöhnen uns an die Höhe. Alle sind fit und wir haben viel Spass zusammen. Ein wirklich gutes Team, mit denen ich unterwegs sein darf. Morgen, so hoffen

Wir sind alleine im Basislager für den Makalu Westgrat, geniessen die Ruhe und können uns voll auf das Bergsteigen konzentrieren. Über den Radio – den mir meine Frau Niki mitgegeben hat – haben wir von den Ereignissen am Everest gehört und sind doppelt froh, hier zu sein.

Die ersten Akklimatisations-Trips haben wir nun hinter uns. Seit gestern sind wir wieder gut zurück im BC! Wir waren bis auf 6200m auf dem Grat, welcher zum eigentlichen Westpfeiler führt und danach, mit einem Ruhetag dazwischen, drei Nächte am Normalweg zur weiteren Akklimatisation bis auf 6800m unterwegs.

Erkundung am Westgrat: Es ist schön, dass wir uns dem Berg nun langsam annähern!
So lange – seit mehr als einem Jahr – haben wir uns mit ihm beschäftigt, dem Westpfeiler und dem Makalu an sich.

Und jetzt endlich haben wir die ersten Meter am Grat angegangen. Vor gut einer Woche haben wir den Beginn des Grates, welcher zum eigentlichen Westpfeiler führt, erkundet. Wir waren alle gespannt, wie es läuft. Und wurden positiv überrascht!

Bis auf ca. 6000m führt eine schneefreie Stein- und Geröllrampe hinauf. Hier haben wir unsere Zelte aufgestellt. Weiter ging es dann am folgenden Tag über einen Firn- und Eisgrat. Das Eis ist hier unglaublich hart und spröde. Wie oft in den letzten Jahren ist es auch diesmal im Vormonsun sehr trocken und es hat viel Blankeis. Mal sehen, ob das für uns von Vorteil oder zum Nachteil werden wird…

Wir haben uns den Grat bis auf ca 6200m angeschaut und sind nach diesem Erkundungstag wieder guter Dinge zu unseren Zelten zurück gekommen. Noch mal eine weitere Nacht haben wir hier oben verbracht, dann ging es runter zum Basislager.

Zur weiteren Gewöhnung an die Höhe, haben wir unsere Zelte für zwei Nächte im Lager 1 der Normalroute aufgestellt. Danach verbrachten wir noch eine weitere auf 6800m, ca. 150 Höhenmeter oberhalb vom eigentlichen Lager 2.

Wir haben auch die letzten Tage und vor allem Nächte am Berg genützt, um unser Setup maximal zu optimieren. Das heißt zum Beispiel: welche Schlafsack-Kombinationen mit welcher Zeltbelegung am besten, heißt vor allem am leichtesten, ist.

Dabei kam raus: der lange Daniel und ein Schlafsack als Decke für zwei im kurzen Zelt geht mal gar nicht. Dagegen funktionieren zwei zu einer großen Decke gekoppelten Schlafsäcke für drei gleich große (Hans, Michi und David) gut. Und so näherten wir uns also in den letzten Nächten oben am Berg an ein gewichtssparendes Optimum an, auch wenn dies – wie bei solchen Experimenten üblich – nicht ohne die eine oder andere schlaflose Nacht von statten ging.

Am dritten Morgen war der Wind dann dann schon so stark, daß wir uns entschieden haben ins Basislager abzusteigen. Ich war dankbar – hatte ich in der Nacht doch ganz schön Schädelbrummen. Im warmen Schlafsack und nach einem super “welcome back” Dinner von unserem Koch Man Baradur, riss der Wind selbst hier im Basislager in der letzten Nacht heftig an unseren Zelten und am Frühstückstisch beklagte Hans, sogar eine erhöhte Feinstaub Belastung in seinem Zelt. Wir waren alle glücklich, daß wir jetzt nicht mehr oben am Berg saßen.

Nachdem wir am Westpfeiler alleine unterwegs waren, haben wir in den Tagen auf der Normalroute natürlich auch andere Expeditionen getroffen. Dabei kam es zu folgendem Ereignis:

Während wir im Camp1 einen langen Tag verbrachten, kam Nima Sherpa gegen Mittag ebenfalls hier an. Nima Sherpa ist der persönliche Hochträger eines japanischen Bergsteigers. Er hat sich bei uns erkundigt, wo er denn sein Zelt hinstellen könne und wir sagten egal wo, nur auf die Spalte in ca. 5m Entfernung solle er aufpassen. Er fing an, eine Plattform zu graben und wir gingen wieder

unseren Beschäftigungen nach: Schneeschmelzen, Trinken, Essen, Musikhören und lesen. Plötzlich sah David, dass Nimas Kopf…blubb, einfach eine Etage nach unten rutschte. Kein Schrei, kein Alarmzeichen machte er!

Und im ersten Moment wusste David gar nicht, ob es vielleicht eine optische Täuschung war, aber nein, das war es nicht! Daniel, der vor dem Zelt war und Schuhe anhatte, war dann als erstes zur Stelle. Er packte Nimas Arm, der bis zum Bauch in der Spalte verschwunden war, dann kam Michi und schnell war Nima herausgezogen.

Alle blickten in das Loch, vielleicht nicht wirklich tödlich tief, aber dennoch war Nima nun fest davon überzeugt, wir hätten ihm das Leben gerettet. Immer wieder bedankte er sich und wir freuten uns natürlich, daß wir ihm helfen konnten nicht zuletzt deshalb, weil er unfreiwillig ein kleines Tageshighlight setzte!

Nun warten wir also hier im Basislager auf das nächste gute Wetterfenster, um uns noch weiter zu akklimatisieren und bis auf den Makalu La und auf eine Höhe von ca. 7400m zu steigen. Danach werden wir uns dann sicher wieder melden.

Allen eine gute Zeit und einen ganz herzlichen Gruß vom Makalu.

Enttäuschung und Fortschritt, beides haben wir nun hier bei uns. Ein komisches Gefühl und sicherlich ein Moment unserer Expedition, der Vieles verändern wird.

Wir waren am 08. Mai gestartet zu Lager 2. Am kommenden Tag wollten wir alle hoch auf den Makalu La um noch mal Höhe zu tanken. Unser Super – Meteorologe Karl Gabl hatte uns für den 9.Mai den Tag mit dem wenigsten Wind prognostiziert. Doch es kam ein wenig anders. Bis zur Ankunft in Lager 2 ging alles nach Plan. Dort angekommen machten wir uns ans Schneeschmelzen, trinken und ausruhen. Allen ging es prächtig, nur Steph klagte plötzlich über immer stärkere Kopfschmerzen.

Steph erinnert sich: “Nachdem ich nun bei jeder Akklimatisationsphase über 6400m in den Ruhephasen ( sprich Nachts) einseitige, starke Kopfschmerzen hatte die ich nur mit einer guten Menge starkem Schmerzmittel in den Griff bekommen hatte, hoffte ich dieses mal Beschwerde frei zu sein. Insbesondere weil wir das letzte mal rund 150 Höhenmeter höher auf ca. 6900m übernachtet hatten.

Im Lager 2 angekommen fühlte ich mich blendend und in guter Form. Gemeinsam mit David schaufelten wir einen Platz für ein zweites Zelt. Als alle angekommen waren legten wir uns ins Zelt und begannen zu kochen. Es war erst zwei Uhr Nachmittags. Eine halbe Stunde später begann wieder der Schmerz – an der Stelle wo ich vor wenigen Jahren eine Schädelbruch erlitten hatte. Ich versuchte es zu ignorieren und keine Schmerzmittel zu nehmen, denn es war klar, wenn ich jetzt mit Medikamenten beginne, dann ist ein morgiger Anstieg auf den Makalu-La „gestorben“. Der Schmerz wurde immer heftiger.

Diese eine Kopfseite wurde auch unnatürlich heiss und das Auge reagierte nicht mehr normal. David zeigte sich sehr fürsorglich und kochte mir ein Suppe. Es war mir mehr zum brechen als zum essen. Es ging nicht mehr anders als nun doch zu den Medikamenten zu greifen. Für mich brach eine kleine Welt zusammen. Ich war mir bewusst, was das wohl bedeutete. Michi kam nun auch in unser Zelt. Er schaute mich an. Für Michi wie auch für David war relativ schnell klar, dass ich so schnell wie möglich in tiefere Lage absteigen muss. Mir war es auch klar- wollt es aber natürlich nicht wahr haben.

David, Michi und Daniel halfen mir mein Material zu packen und David begleitete mich schliesslich runter ins Lager1. Von dort stieg ich alleine weiter ab ins „Normale Basislager“ wo mich unser Sirdar, Karma empfing. Von dort ging es im Dunkeln eine weitere Stunde zurück in unser Basislager. Leichte Kopfschmerzen hatte ich noch die ganze Nacht, doch es ging mir deutlich besser. Die doppelte Ration starker Medikamente und der Höhenverlust zeigten Wirkung.”

So verbrachte ich also alleine die Nacht in unserem Zelt. Komisch war es so viel leeren Platz zu haben und ohne Steph war es auch merklich kälter in unserem Zelt. Wir hatten keine Eile am Morgen und mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen packten wir alles zusammen und machten und auf den Weg zum Makalu La hoch. Wie so oft an den hohen Bergen mussten wir auch hier wieder einsehen, daß was kurz ausschaut oft brutal lang ist!

Von Lager 2 hoch zum Pass schaut es nämlich wie “ na da gehen wir doch mal schnell hoch” aus….denkste! Gerade das Ende hat sich dann gezogen. Immer denkt man: OK, da wird es jetzt flach und man hat es geschafft. Und immer wieder erkennt man, noch mal 60m bis zur nächsten Kante. Aber irgendwann war es dann die letzte Kante und man war oben. Der Makalu La ist eine Art Hochplateau, wo noch mal ein eigenständiger Berg anfängt!

Eine Ebene aus Eis und hartem Schnee, durchsetzt von Felseninseln. Hier bauten wir unsere beiden Zelte auf. Der Wind war erträglich, leichter Schneefall setzte ein und die Sicht war bei nahezu null. Erst am Abend klarte es auf und wir konnten erkennen, wo wir waren. Was für eine Aussicht. Kangchenzönga und Jannu im Abendlicht, auf der anderen Seite Lhoste und Everest zum greifen nah. Daneben die ganzen Gipfel des Kumbu Gebiets und auf der anderen Seite die Weite Tibets.

Und so beeindruckend dieser Ausblick war, schnell kamen wir mit der nächsten Windböe wieder in der Realität an! Die ganze Nacht zerrte der Wind an den Zelten und noch mehr an unseren Nerven. Jede Böe presste feinsten Schnee in die Zelte, jede Böe löste den Reif von der Zelt Innenwand, welcher dann auf´s Gesicht fiel. Der Versuch, sich mit vollständiger Vermummung dagegen zu wehren verlief nur teilweise erfolgreich. Denn der Drang nach halbwegs frischer Luft zum Atmen vereitelte eine dauerhafte Vermummung.

Und so überstanden wir also hier oben mehr oder weniger eine Nacht erfolgreich. Um 5 Uhr morgens erlösten uns die ersten Sonnenstrahlen und nach einem lustlosen Frühstück packten wir zusammen. Wie gut, daß es runter dann immer doch so viel schneller geht wie hoch! Und das Beste: jetzt waren wir mit unserer Akklimatisation so weit fertig, daß wir nun bei gutem Wetter zu einem Versuch starten können.

Die Qualität und die Länge des Wetterfensters wird dann wohl bestimmen, ob wir den Pfeiler angehen oder mit dem Normalweg vorlieb nehmen werden. Für den Pfeiler brauchen wir wirklich gutes Wetter und das mindestens 5 Tage lang, ansonsten wäre es in unserem minimalistischem Stil aussichtslos. Wir werden sehen…

Zum Mittagessen waren wir alle wieder im Basislager. Wir genossen das gute Essen, auch wenn es nicht Klausi´s Schnipo war! Steph ging es wieder bestens und trotzdem hat er eine entscheidende Konsequenz aus dem Erlebtem gezogen:

“Nach diesem Vorfall, war für alle klar, dass ich so ohne weitere Abklärungen nicht mehr in die Höhe steigen sollte. Schon gar nicht einen Versuch am Westpfeiler wagen darf. Hätte ich am Pfeiler wieder das gleiche Problem, würde das nicht nur mich sondern auch meine Freunde in Gefahr bringen, weil ein Rückzug sich sehr schwierig gestalten würde. Der Westgrat- das ist die Linie die mich an dem Berg interessierte und faszinierte. Ein schöner Berg, eine tolle Linie. Das ist was für mich zählt – weder Höhe noch Namen.

Die technisch leichtere und mit Fixseilen versicherte Normalroute interessiert mich weniger. Vielmehr war ich erstaunt und enttäuscht zu sehen wie das auf den Normalrouten der 8000er zu und her geht. Die Bergsteiger sind meistens die Sherpas – viele andere oft nur zahlende, technisch schwache Klienten. Da ich seit dem Unfall mit dem Schädelbruch nur für Stunden in diesen Höhen war (Gipfelhöhen) und dann gleich wieder abstieg, war mir das Problem so nicht bekannt.

Nun ist die Expedition für mich gelaufen. Es war aber gleichwohl eine super Zeit mit den vier Kollegen. Wir haben viel gelacht, haben als Team sehr gut funktioniert und Menschlich uns bestens verstanden. Es hätte alles gepasst… Nun wünsche ich den Vier von Herzen viel Erfolg an dem Westpfeiler, bedanke mich herzlich für die tollen gemeinsamen 5 Wochen und vor allem bleibt gesund!”

Drückt uns die Daumen und ich wünsche allen eine gute Zeit!
Ganz herzlichen Gruß aus dem Makalu Basislager,
David, Steph und Team